Moritz Punke

(03.2019) Warum bin ich dem HVD beigetreten? Die Gründe, den Glauben an einen Gott abzulehnen, können vielfältig sein: persönliche Erfahrungen, Diskriminierung, das Entdecken von Widersprüchen, ethische Überlegungen oder mehr. Für viele spielt auch Frustration über organisierte Religion, über „die Kirche“, eine Rolle. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Motivation gering ist, sich einer anderen Organisation anzuschließen. Stattdessen möchte man vielleicht einfach nichts mehr mit Religion zu tun haben, sie soll im eigenen Leben keine Rolle mehr spielen. Das finde ich nachvollziehbar, aber ich glaube, dass diese Rechnung nicht aufgeht und damit zu wenig getan ist.
 
Bei der Religionszugehörigkeit in Deutschland stellen „Konfessionsfreie“ mit 36,2% den größten Anteil. Diese Gruppe tritt jedoch nicht gemeinsam auf und hat dementsprechend wenig Macht. Ich bin der Meinung, dass nichtreligiöse Menschen sich organisieren müssen. So erhalten sie eine Stimme, die in gesellschaftlichen Fragen Gewicht hat, Orientierung bietet und sich gegen andere organisierte Glaubensgemeinschaften behaupten kann.
 

Um den Lauf der Dinge zum Besseren zu verändern, reicht es nicht, zu wissen, wohin man nicht mehr zurück möchte, sondern man braucht ein Ziel oder eine Vision. Atheismus bedeutet zwar ein Leben ohne Gott, aber die Lücke, die dadurch entstehen kann, muss jeder Mensch erst mal selbst wieder auffüllen. Ein strategischer Vorteil organisierter Religionen liegt in der positiv formulierten Antwort auf Fragen wie „Wofür steht ihr?“ oder „Was wollt ihr erreichen?“, doch auch und gerade ohne Religion ist ein werteorientiertes Leben zweifellos möglich. Humanismus kann Menschen miteinander verbinden, da er über die bloße Ablehnung von Dogmen und Aberglauben hinausgeht und eine positive Weltanschauung formuliert. Erst dadurch entsteht eine greifbare Idee davon, wohin sich eine Gesellschaft entwickeln sollte. Wenn ich gefragt werde, woran ich glaube oder was ich vertrete, kann ich sagen: „Ich bin Humanist.“ Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen diese Antwort für sich entdecken.

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